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Neben Innovationen und News aus der Verpackungswelt, zeigen wir hier viele interessante Berichte, Artikeldetails, Materialaufschlüsselungen aus vielen Bereichen wie z.B.

Produktion von Kartons, Klebeband, Beutel, Folien und vielem mehr.....     

Die Entstehung und Entwicklung der Wellpappe

Das mechanische Prinzip ist seit dem Altertum bekannt.

Wellenförmige Strukturen verleihen Bauwerken wie zum Beispiel Brücken enorme Stabilität. Druck, der von oben auf die Welle wirkt, wird auf die unteren Ränder abgeleitet und dabei verteilt. So erhalten auch große Kuppeldächer ihre Belastbarkeit. Doch es sollte noch lange dauern, bis die Idee der Lastverteilung durch eine Wellenform auch für die Herstellung stabiler Kartonagen aus Wellpappe genutzt werden konnte.

Auch nach der Erfindung und der erstmaligen Herstellung des Papiers im Jahre 1144 in Xativa bei Valencia vergingen noch viele Jahrhunderte, bevor die Experten für Maschinenbau die Grundlagen für die massenhafte Herstellung von Wellpappe schufen. Was heute in der Welt des Versandhandels und der Logistik unverzichtbar ist, hat seinen eigentlichen Ursprung jedoch in einem ganz anderen Bereich: Die Mode war der Antrieb, Papier in Wellenform zu bringen.

 

Es begann alles mit der Halskrause

Im Spanien des 16. Jahrhunderts kam die Halskrause in Mode, später verbreitete sich dieses modische Accessoire in ganz Europa.  Es bestand meist aus Leinen und wurde mit einer Brennschere in die Wellenform gebracht. Eine Plissiermaschine ermöglichte es ab 1870, die gewünschten Wellen auch maschinell herzustellen. Das Prinzip dieser Maschine inspirierte den New Yorker Albert L. Jones, statt Stoff Papier zu falten, um ihm mehr Stabilität zu verleihen. Schon 14 Jahre zuvor hatten zwei Briten, Edward Charles Healey und Edward Ellis Allen, mit gewelltem Papier Hüte und Koffer stabilisiert und sich diese Idee patentieren lassen. Damit war die Idee der Wellpappe geboren. Jones meldete 1871 ein Patent für eine Maschine an, die das Wellenmuster im Papier mit Hilfe einer Riffelwalze erzeugte. Sein erklärtes Ziel: die „Verbesserung von Papier zu Verpackungszwecken“. Sein Wellpapier wurde genutzt, um Flaschen und andere zerbrechliche Waren stoßsicher zu verpacken.

 

Eine Welle mit vielen Vorteilen

Dass die Wellenform für Stabilität sorgt, war schon lange bekannt. Viele alte Wasserleitungen mit bogenförmigen Stützen haben bis heute überdauert und bezeugen den stabilisierenden Effekt. Auch bei Kuppeln und im Brückenbau machte man ihn sich überall auf der Welt zu Nutze. Kräfte, die von oben auf den Bogen einwirken, werden auf die tragenden Seiten verteilt und abgeleitet. Viele Bögen nebeneinander ergeben eine Welle mit denselben Eigenschaften. Bei der Wellpappe kommt das Prinzip der Druckverteilung dann in der Fläche zum Tragen:

Die gewellte Papierbahn oder Pappe nimmt die Lasten auf.

Die eine Schicht glattes Papier auf der Ober- und der Unterseite der Wellen stabilisiert die gesamte Konstruktion.

Diese zusätzlichen Papierlagen fehlten bei Jones´ Wellpapier noch. Es war Oliver Long, der diesen letzten Schritt zur richtigen Wellpappe ging. 1874 klebte er eine Lage glattes Papier auf das Wellpapier und erfand damit die einseitige Wellpappe. Er beantragte ein Patent darauf und entwickelte auch gleich noch einen Apparat zur maschinellen Herstellung seiner Erfindung. Dessen Grundprinzipien bestimmen noch heute die Prozesse in der Wellpappenproduktion.

Eine Rolle transportiert eine Papierbahn durch die Maschine

Durch eine Riffelwalze bekommt das Papier die typische Wellenform

Auf dieses gewellte Papier wird eine Deckschicht aus glattem Papier geklebt

Früher nannte man die Arbeit, bei der das Deckblatt von Hand auf das gewellte Papier geklebt wurde, „pappen“. Daraus entstand dann die Bezeichnung Pappe für das Endprodukt. 

Oliver Long verkaufte sein Patent an die Firma Thompson & Norris, die darauf hin die erste Anlage zur Wellpappenproduktion konstruierten. Diese Maschine arbeitete vollständig mechanisch, die zuvor nötige Handarbeit konnte gespart werden. In der Folge entwickelte das Unternehmen die Idee weiter und konnte schon bald erstmals eine beidseitig beklebte Wellpappe produzieren. Diese einwellige Wellpappe ist heute noch immer eines der wichtigsten Materialien für die Herstellung von Kartonagen aller Art.

 

Die deutsche Entwicklung der Wellpappe 

Der Erfolg ermöglichte es Thompson & Norris, international zu wachsen. Nach Großbritannien im Jahr 1883 war das Unternehmen seit 1886 auch in Deutschland präsent. In Kirchberg eröffnete es unter dem Schutz von Patenten eine Wellpapierfabrik. Nach den Ende des Patentschutzes wurden auch weitere Unternehmer aktiv: Fedor Schoen ließ 1892 die erste unabhängige Fabrik für Wellpappe in Breslau bauen. Zwei Jahre später erfolgte ein Umzug nach Köln, verbunden mit einer wichtigen Innovation. Schoen produzierte jetzt doppelseitig mit glatten Papierbahnen beklebte Wellpappe. Zugleich erwies er sich als Förderer der Technologie, denn er produzierte nicht nur selbst Wellpappe sondern auch die dafür nötigen Maschinen. Diese stellte sein Kooperationspartner Richter allerdings zunächst nur für die eigenen Standorte zur Verfügung. 

Das nächste Kapitel in der Geschichte der Wellpappe wurde erst zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben.

Dazu musste zunächst die Nutzung der Wellpappe zur Herstellung von Kartons entwickelt werden. Ab da war dem Produkt ein weiterer rasanter Zuwachs an wirtschaftlicher Bedeutung sicher. 

 

Der Siegeszug des Pappkartons

1890

Erstmals fertigt Robert Gair in Schottland Kartons aus zugeschnittener und gefalteter Wellpappe.

1895

Deutlich schneller wurde die Kartonherstellung durch eine Maschine, die der Amerikaner Jefferson Ferres entwickelte. Sie ermöglichte es, die Papierbahnen in nur einem Durchgang zu riffeln und zu verkleben. Die so verbesserte Effizienz führte zu einem bedeutenden Wachstum der Wellpappen-Industrie.

1907

Die Einführung des Berstdrucktests nach Mullen in den USA markiert den Beginn der Kartonherstellung nach einheitlichen Qualitätsstandards. Auf die Stabilität der Kartons konnte man sich jetzt verlassen.

1911

Die Automatisierung macht rasante Fortschritte: Eine neue Anlage ermöglicht es jetzt erstmals, die Wellpappe zu fertigen, sie zuzuschneiden und zu falzen, dann aufzurichten und zu einem Karton zusammenzufügen. Auch das Füllen und Bekleben der Kartons wurde auf dieser Anlage durchgeführt.

1916

Die noch stabilere zweiwellige Wellpappe wird im großen Maßstab produziert. Dazu werden zwei Lagen Wellpappe und drei Bögen glattes Papier verklebt. 

1929

Die B-Welle kommt auf den Markt. Sie verteilt den Druck anders als die bisherige Variante, da ihre Welle flacher ist. Ab jetzt können zweiwellige Kartons mit zwei unterschiedlichen Wellenformen hergestellt werden. 

1952

In Europa gründen die Kartonhersteller die FEFCO, die „Fédération Européenne des Fabricants de Carton Ondule“. Diese Organisation etabliert den FEFCO-Code, einen international anerkannten Standard für Kartonagen. 

Die Entwicklung der Wellpappen-Produktion ist noch immer nicht abgeschlossen. Auch wenn die grundlegenden Abläufe seit langem unverändert sind, kommt es doch kontinuierlich zu optimierten Prozessen bei der Wellpappenherstellung. Besonders die Produktivität der Maschinen und die Qualität der Kartonagen sind heute nicht mehr mit den Anfangszeiten zu vergleichen. Aktuell verbessern die schnell wachsenden Möglichkeiten der Digitalisierung die Maschinensteuerungen und damit die gesamte Produktion. 

Heute nutzt jeder Deutsche ca. 55 Kilo Wellpappe pro Jahr. In mehr als 100 Wellpappen-Fabriken werden jährlich über 4 Millionen Tonnen Kartonagen produziert. Damit ist Deutschland eines der weltweit führenden Länder auf diesem Markt. Am großen Bedarf wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Kein anderes Material vereint so viele Vorteile für die Verpackung, den Transport und den Versand von Waren aller Art. Die leichte, stabile und günstige Wellpappe ist durch nichts zu ersetzen und zudem in Zeiten der Nachhaltigkeit ein erstklassiges Material mit bis zu 100% Recyclingfähigkeit.

 

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